Follow the Rechtsstaat Folge 199
Im aktuellen Podcast mit Stefan Brink und Niko Härting geht es eigentlich nur um
Transparenz:
Zunächst genügen wir (00:51) unserer Chronisten- und Transparenzpflicht
und berichten über eine bedauerliche Entscheidung des EGMR zum Thema
Nachrichtendienste sowie (04:42) zur Anordnung des LG Hamburg in
Sachen Block, die beschlagnahmten Audio-Tapes der ZEIT zunächst unter Verschluss
zu halten.
Sodann sprechen Niko und Stefan (06:41) über unfreiwillige Transparenz:
Die AfD wurde gehackt, Interna der Partei landeten im Netz. Darunter
Melderegisterabfragen in Mecklenburg-Vorpommern zu Erstwählern. Nach § 50
BMeldeG ist diese Abfrage privilegiert für Parteien vor Wahlen möglich – allerdings
passierten sowohl bei den Meldebehörden als auch der AfD massive Fehler …
Dann sprechen wir (21:46) über eine merkwürdige Entscheidung des OVG
Bautzen vom 19.8.2026: Ein juristischer Prüfling wollte noch vor Beginn seines
schriftlichen Verbesserungsversuchs Kopien seiner Klausuren, der Korrekturen und
Bewertungen sowie eine schriftliche Begründung seiner mündlichen Prüfungsleistung
erhalten. Im zurückweisender Beschluss vertrat das OVG die Auffassung, ein Prüfling
könne nicht verlangen, noch vor seinem Verbesserungsversuch im Eilverfahren Einsicht
zu erhalten. Das Sächsische OVG argumentiert: Akteneinsicht soll Transparenz
schaffen, nicht die Chancen in einer bevorstehenden Prüfung erhöhen. Dabei verkennt
es, dass Art. 12 Abs. 3 DSGVO sehr wohl zeitliche Vorgaben zur Antwortpflicht macht
(„unverzüglich, in jedem Fall aber innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags“)
und dass diese Auskunft keineswegs den Grundsatz der Chancengleichheit zwischen
den Kandidatinnen und Kandidaten verletzt – sonst wären Verbesserungsversuche an
sich bereits gleichheitswidrig.
Schließlich geht es (29:02) um die Frage, welche Auskünfte Betroffene zu ihrem SCHUFA-Scoring verlangen können. In seinem Urteil vom 21.10.2026 hebt der BGH nicht nur vier verbraucherfreundliche Urteile des OLG Dresden auf, sondern verlangen von Verbrauchern die Darlegung, dass die Entscheidung eines dritten Unternehmens über einen Vertragsabschluss maßgeblich vom übermittelten Scorewert abhing.
Von Transparenz hält der I. Zivilsenat offenbar genausowenig wie vom EuGH …